Fotocollagen-Livestream-Architekturcollagen-Idole

Fotocollagen

Bei den Arbeiten werden Maschinen- Fragmente fototechnisch in transparenten Lagen miteinander kombiniert. Durch das Zusammenstellen unterschiedlicher Maschinenteile entsteht eine neue Maschine die jedoch nur auf der Abbildung zu funktionieren scheint. Diese irrationale Wirklichkeit die durch Überlagerungen von Maschinenfragmenten entsteht ist illusionär. Es ist ein imaginäres Maschinengebilde das im Konflikt mit der Realität steht. Dieses geschaffene Gebilde irritiert das rationale Denken oder aber erregt und erheitert unsere Phantasie. Die entstandenen Maschinen haben keine funktionalen Eigenschaften und sind unnütz. Sie sind folglich Phantasiegebilde. Das mittels “Fotocollagen” zusammengestellte Foto-Bild kombiniert zeitliche- und örtliche auseinanderliegende Situationen der Industrie. Diese künstliche Zusammenstellung unterschiedlicher Handlungsebenen erzeugt neue Bildinhalte. Das arrangierte Foto-Bild transzendiert zwischen Utopie und Wirklichkeit.

Die “Maschinencollagen” sind zusammengesetzte Fragmente einer vergangen und teilweise noch funktionierenden Industriekultur. Die Faszination des Maschinenmythos ist zur Nostalgie und zu einem Auslaufmodell einer Epoche geworden. Kohle, Dampf, Eisen und Stahl, rauchende Fabriekschlote sind aus unserem Alltag verschwunden; sie werden durch Mikrochips und Smartphones ersetzt. Die Funktion dieser Mikrotechnischen Geräte sind visuell und auch technisch nicht mehr nachvollziehbar. Die Aufbruchsstimmung und Faszination des Industriezeitalters ist verstummt. Die Fotocollagen sind eine Inszenierung der guten alten Zeit, einer Zeit wo die Grundlagen unserer heutigen Lebenswelt gelegt wurden. Das Industriezeitalter ist Kulturgut und Geschichte. Das Wertemuster von Industrie und Kultur sind zur Industriekultur geworden; der rein funktionale, materialistische Aspekt hat sich einen geistig- sinnlichen erweitert. Die Arbeiten reflektieren eine vergangene Industriegesellschaft und holen diese in die Gegenwart. Das Verständnis der Vergangenheit hilft uns über unsere Zukunft nachzudenken.

Livestream

Bei den Arbeiten “Livestream” werden Handlungen als auch Bildausschnitte überlagert und miteinander kombiniert. Das neu zusammengestellte Foto-Bild kombiniert zeitliche und örtliche Situationen. Diese künstliche Zusammenstellung vermittelt Inhalte die mit der Realität in Konflikt geraten. Das zusammengestellte Foto-Bild transzendiert zwischen Traum und Wirklichkeit. Es entsteht ein Vakuum zwischen der Realen- und der Traumwelt. Der Betrachter erzeugt durch seine Wahrnehmung und den daraus entstehenden Assoziationen neue Bildinhalte. Diese sich im Bewusstsein neu entzündenden Bildinhalte verändern und erweitern die Wahrnehmung. Die überlagerten unlogischen Bildinformationen irritieren das rationale Denken und sprengen so den Rahmen der gewohnten Betrachtungsweise.

Die Fotocollagen “Livestream” haben durchaus Parallelen zu Traumbildern bei denen sich Gegebenheiten, Handlungen und Gedanken in unlogischen Abläufen aneinanderreihen. bzw. sich zu einem Gewebe verdichten. Dieses Gewebe von Traumbilder bedient sich einer Symbolsprache die aus dem Unterbewussten stammt. Deren Deutung führt zu einer Bewusstwerdung des geträumten. Die Inhalte sind meist von alltäglichen, persönlichen Erlebnissen geprägt die leicht zu deuten sind und uns weiter nicht berühren. Handelt es sich um kollektive Symbole oder Urbilder (Archetypen) wird deren Interpretation schwieriger. Oft haben sie ein starke emotionale Ladung. Es sind verschlüsselte Botschaften aus dem Unterbewussten. Durch die Entschlüsselung (Bewusstwerdung) entsteht ein Individuationsprozeß der eine kreative, geistige und psychische Energie freisetzt.

Architekturcollagen

Bei den Arbeiten “Architekturcollagen” werden architektonische Fragmente fototechnisch in transparenten Lagen miteinander kombiniert. Durch alte und neue Architekturelemente sowie unterschiedlichen Perspektiven entsteht ein neues Architekturgebilde. Diese irrationale Wirklichkeit die durch Überlagerungen von unterschiedlichen Architekturfrag-menten in Stil und Zeit erstellt wurde ist illusionär. Es entsteht ein neuer, imaginärer Raum der im Konflikt mit der Realität steht. Dieser neu geschaffene Raum irritiert zum Einen das rationale Denken und zum Anderen regt er durchaus unsere Phantasie an.

Die entstandenen Phantasie Konstrukte bilden Analogien zu Traumbildern. Ereignisse in Träumen manifestieren sich nicht als rationales Gedankengut sondern in symbolischen Bildern. Es gilt sich der symbolischen Bildsprache der Träume bewusst zu werden und sie zu interpretieren. Bilder sind mit Emotionen und Menschen verbunden; von daher entziehen sie sich einer allgemeingültigen rationalen Definition. Sie definieren sich aus unserer geistigen, moralischen und psychischen Konstellation. Es sind Produkte unserer Vorstellungskraft die von unserem kulturellen Hintergrund geprägt, jedoch durchaus individuell sind.

Die “Architekturcollagen” sind zusammengesetzte architektonische Räume; ohne Funktion, sie verweisen auf eine geistige, symbolische Sichtweise. Eine Treppe z.B. die ins Nichts führt, ist ein Übergang von Einem ins Andere. In Mythen und Legenden wird sie zu einem Verbindungsstück von der Erde zum Himmel. Die Treppe ist auch Sinnbild der Verbindung vom Irdischen zum Himmlischen, vom Profanen zum Geistigen. Diese kollektiven Interpretationen sind allgemein anerkannt und aus unserem kulturellen Hintergrund zu verstehen. Als Individuum sind wir durchaus in der Lage eigene Bilder und Gedanken zu produzieren und sie mit individuellen Inhalten zu verbinden.


Idole

Ein Idol im heutigen Kontext ist eine Person die von vielen Menschen sehr bewundert und verehrt wird. Es entsteht eine Art Gottmensch mit dem man sich identifizieren kann. Das Wort Idol verdrängte allmählich die älteren, eindeutig negativ besetzten Begriffe Abgott und Götze. Die Verehrung von Idolen bezeichnet man als Idolatrie (“Abgötterei”, “Götzendienst”). Der Begriff Idol (über lateinisch idolum von griechisch, ist eigentlich “Bild, Abbild”, im speziellen ”Trugbild”) wird in Theologie, Religionswissenschaft, Philosophie und Archäologie in vielfältiger Bedeutung gebraucht.

Der im westlichen Kulturkreis verbreitete Begriff Idol hat den ursprünglichen, religiösen Inhalt verloren. Die Idole von heute sind in Sport , Musik und Film angesiedelt. Auch einige Comics Figuren kann man durchaus einen Idol- Status zuschreiben. Durch diese Comics Figuren werden wieder Götter und Dämonen, neu erschaffen . Diese Figuren besitzen stets übermenschliche, heldenhafte Eigenschaften. Die Faszination des magischen Zaubers des Unerreichbaren, des Unmöglichen bewirken dass sich der, Leser bzw. der Betrachter mit den Heldenfiguren identifiziert. Diese Bilder ergreifen uns, führen uns weg von der Realität in eine Traumwelt.

Bei den Arbeiten werden zwei oder mehrere Fotobilder überlagert und miteinander kombiniert. Das mittels “Fotocollagen” neu zusammengestellte Foto-Bild kombiniert zeitliche- und örtliche auseinanderliegende Situationen. Diese künstliche Zusammen-stellung von unterschiedlichen Handlungsebenen ergibt neue Bildinhalte. Das neu zusammengestellte Foto-Bild transzendiert zwischen Utopie und Wirklichkeit. Die überlagerten unlogischen Bildinformationen irritieren das rationale Denken und sprengen so den Rahmen der gewohnten Betrachtungsweise. Die farbexplosiven Gross-Raumfotos arrangiert in einem alten Industrieraum, als Fotobanner, oder im öffentlichen Raum erzeugen ein Vakuum mit der Wirklichkeit . Der Betrachter ergänzt dieses Vakuum mit seiner Wahrnehmung und den daraus resultierenden Assoziationen.

Franz Immoos, Amsterdam 2017

 

Photowork Franz Immoos


Most of Franz Immoos work consist of diptychs or triptychs composed of photographs. Almost every work is about the cosmic cycle of life. The notion of time plays an important part in the traditional altarpiece, often diptych or triptychs. The depicted phases such as birth, life and death, are being succeeded in time and make the photowork narrative. Materially, however, the phases are present simultaneously. Also in the diptychs en triptychs of Franz Immoos this dualism has a meaning. In his work he want to show that life in general does not go from the beginning to the end where it stops, but that life is circular. The creation of life is symbolised in the first panel; the central panel expresses the earthly and material aspects, while in the third panel matter is being dissolved into nothing from where everything starts again.
Humanity is always trying to escape from this cosmic cycle by procreation and aiming for perfection. This is a linear thought. To Franz Immoos life is an endless flow of energy that creates life again and again before destroying it. To express the considerations he use archetypes that are present the unconsciousness of every man. In time new meanings have often been added to these archetypes, but the deeper meaning of it has not changed. In addition to natural symbols such as plants and animals, the four elements are often present in his work. Water symbolizes the beginning of life, while air stands for the dematerialisation of everything earthly. The earthly is represented for instance by ever condensing structures, like crystallizing molecules in nature. His choice of symbols is established by association and therefore it is very personal.

Liesbeth Melis

Het werk van Franz Immoos bestaat meestal uit twee- of drieluiken, die zijn samen-gesteld uit foto's. In vrijwel al zijn werk is de kosmische levenscyclus het onderwerp.
Bij traditionele altaarstukken, vaak diptieken of triptieken, speelt het begrip tijd een belangrijke rol. De uitgebeelde fasen, zoals geboorte, leven en dood, volgen elkaar op in de tijd en maken het fotowerk verhalend. In materieel opzicht zijn deze fasen daarentegen simultaan aanwezig. Ook in twee- en drieluiken van Franz Immoos heeft dit dualisme een betekenis. Hij wil in zijn werk laten zien dat het leven in algemene zin niet van het begin naar het einde loopt en daarmee ophoudt, maar dat het leven juist en gesloten cirkel is. Zo symboliseert hij op het eerste paneel het ontstaan van het leven; op het middenpaneel komt het aardse en materiële tot uitdrukking; op het deerde paneel wordt de materie opgelost in het niets, van waaruit alles weer opnieuw begint.
De mens tracht steeds weer te ontkomen aan deze kosmische cyclus door zich voort te planten en te streven naar volmaaktheid. Hij denkt lineair. Voor Franz Immoos is het leven juist een eindloze stroom van energie die steeds opnieuw leven creëert en dit vervolgens weer vernietigt. Om deze gedachtegang uit te beelden maakt hij gebruik van oersymbolen die in het onderbewustzijn van ieder mens aanwezig zijn. Door de tijd zijn vaak nieuwe betekenissen aan deze oersymbolen toegevoegd, maar is de diepere betekenis van het symbool niet veranderd. Naast de symbolen uit de natuur, zoals planten en dieren, komen de vier elementen regelmatig voor in zijn werk. Het water duidt dan op het beginnende leven, terwijl de lucht de entmaterialisering van het aardse symboliseert. Het aardse verbeeld hij bijvoorbeeld door structuren die zich steeds verder verdichten, zoals in de fysica moleculen zich uitkristalliseren. Zijn keuze van symbolen komt associatief tot stand en is dan ook persoonlijk.

Liesbeth Melis

 

 

Gedanken zu den Photoarbeiten:

*Der Mensch versucht stets wieder in die Ursprungszeit einzutreten, in die Zeit der Kosmogonie, dem Augenblick der größten Realität, der Entstehung der Welt. Diese Uranfängliche Situation ist nicht historischer Ordnung - es handelt sich um ein mythisches Früher, einer Sehnsucht nach der Vollkommenheit des Anfangs. Die Zeit (Geschichte) vermag die Universalität der ursprünglichen Symbole nicht umzuwandeln - sie fügt ihr lediglich neue Bedeutung hinzu.*

*Erich Neumann Ursprungsgeschichte des Bewusstseins*

Eine Vielfalt von Wechselwirkung sorgen im Weltall für stetige Bewegung und Veränderung. Die Manifestation sich materialisierender und sich entmaterialisierender Energie in der Natur, lässt Leben entstehen und Leben vergehen. Die Form, die Gestalt von Lebendem kann nicht aus der Materie hervorgehen. Sie ist nicht in der Lage, mit der ihr innewohnenden Kraft die Form zu erhalten. Ihr Bereich ist der des Todes und des Zerfalls.

Der Mensch versucht diesem kosmischen Zyklus zu entkommen, er pflanzt sich fort, er erforscht die Zusammenhänge des Lebens, er sucht nach einer absoluten Wahrheit und er schafft sich ein übermenschliches transzendentes Vorbild. Dies alles entsteht aus einer Sehnsucht nach dem Uranfang, dem "Illuid tempus" nach der Vollkommenheit des Entstehens.

*Das was der Mensch denkt und empfindet wird in Zeichen Symbolen und Bildern festgehalten. Das Bedürfnis des Menschen ist es, Flüchtigem Dauer zu geben über das Vergehende hinaus. Was ist die Schrift, das Bild, die Fotografie anderes als dem Gedanken, dem Augenblick Dauer zu geben, das Enteilende festzuhalten.*
*Herbert Kühn, die Felsenbilder Europas*

Bei den Photoarbeiten Anima Mundi b.z.w. Anima Natura geht es um zyklische Abläufe des Mikrokosmos zo als Geburt, Leben und Tod. Diese Inhalte werden in einer Symbol- Bildsprache vermittelt und als Abfolgen und Gegenüberstellungen in Diptychen und Triptychen präsentiert. Symbole entspringen unserer imaginativen Vorstellung; sie transzendieren zwischen rationalem und irrationalem Denken; sie verbinden das Unbekannte mit dem Bewussten. Die Abbildungen können ganz banal wahrgenommen und interpretiert werden; sie können aber auch mit transpersonalen archetypischen Inhalten verknüpft werden. Die Fotos haben keine Aktualität es handelt sich auch nicht um zeitliche Dokumente; Aussage und Eigenschaft sind universell und zeitlos.

Franz Immoos Juni 2006


pdfText: Treffpunkt Worpswede 2015 / Beate C. Arnold, Barkenhoff-Stiftung, Worpswede 

pdf Text: Masken F.Immoos 2010 / Informationsblatt: Galerie Lydia Megert, Bern 1982